
Die Walküre ist keine Einzelgeschichte. Sie ist die zweite von vier Opern eines Zyklus. Wagner schrieb daran sechsundzwanzig Jahre. Insgesamt rund fünfzehn Stunden Musik. Vier Abende. Ein Mythos.
In der ersten Oper haben die Götter genommen, was ihnen nicht gehörte — Gold, Macht, den Ring. Sie schlossen Verträge, die sie selbst brachen. Heute Abend beginnt die Abrechnung.
Wagner hat das Libretto — den Text, den die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne singen — selbst geschrieben, ebenso wie die Musik. In der Oper ist das selten. Hier ist, was in jedem Aufzug geschieht. Nicht die ganze Handlung. Nur das, was Sie vorher wissen sollten.
Sechs Stimmen, drei Welten, eine Familie, die sich nicht entkommt. Fahren Sie mit dem Zeiger über das Netz.
Eine Oper ist kein Konzert mit Bühnenbild. Sie ist eine Synthese: Musik, Gesang, Dramaturgie, Regie, Licht, Inszenierung — alles wirkt gleichzeitig. Nehmen Sie irgendeines davon weg, und es ist keine Oper mehr.
Bei Wagner begleitet das Orchester nicht die Sänger. Es sagt das, was die Figuren nicht sagen können oder wollen. Während Wotan schweigt — erzählt das Orchester, was in ihm vorgeht.
Dafür hat Wagner das System der Leitmotive erfunden. Ein Leitmotiv ist ein kurzes musikalisches Thema, das einer Figur, einem Gefühl oder einer Idee zugeordnet ist. Erscheint Siegmund — erklingt sein Thema. Taucht das Motiv des Rings auf — geht es um Macht und Fluch, auch wenn niemand es ausspricht.
Sie müssen sie nicht vorher kennen. Sie werden sie einfach wiedererkennen — und das ist eines der seltsamsten Vergnügen, die Wagner schenkt.
Wagner schrieb Die Walküre 1856. Seither hat sich die Welt mehrfach gewandelt. Die Aufgabe der Regie ist nicht, die Vergangenheit zu reproduzieren, sondern in einem alten Stoff das zu finden, was uns heute angeht. Der Regisseur steht zwischen Wagner und Ihnen.
In Stefan Herheims Berliner Inszenierung ist die ganze Bühne mit Koffern verstellt. Tausende von Koffern — vom Boden bis zur Decke. Denn alle Figuren der Walküre sind auf der Flucht: Siegmund wird sein ganzes Leben verfolgt, Sieglinde flieht vor ihrem Mann, Brünnhilde vor dem Zorn des Vaters, Wotan selbst — vor sich. Herheim sah im Wagnerschen Mythos eine Geschichte über Menschen ohne Heimat. Und sie erwies sich unerwartet als Geschichte über uns.
In der Mitte der Bühne steht ein Flügel. Das ist keine Requisite — das ist ein Symbol: die Musik entsteht hier vor Ihren Augen.
Bilder und Lösungen können Sie überraschen. Genau das ist das Ziel.
Mehr zu den Ideen der Inszenierung im offiziellen Programmheft der Deutschen Oper Berlin.
Programmheft lesen →Vier Stunden, zwei Pausen, ein Werk, das Sie nicht vergessen werden.